Teamarbeit prägt die heutige Arbeitswelt und ist in modernen Organisationen von zentraler Bedeutung. Teams erhöhen die Produktivität, fördern Innovationen und ersetzen starre hierarchische Strukturen. Die Teamführung trägt einen wichtigen Teil dazu bei, dass die gemeinsame Arbeit reibungslos abläuft. Dazu muss sie sich jedoch ihrer Verantwortung und den damit verbundenen Herausforderungen bewusst sein.
Welche Aufgaben gehören zur Teamführung?

Teamführung bezeichnet die gesamte Arbeit einer Führungskraft, die einem Team oder einer kompletten Abteilung vorsteht. Unabhängig davon, wie das Team aufgebaut ist, gibt es klassische Aufgaben, um die sich Inhaber dieser Position kümmern müssen:
- Strukturierung und Organisation: Führungskräfte sind für die Organisation, Struktur und den Ablauf eines Projekts zuständig und müssen einen Überblick über Deadlines, Verantwortlichkeiten und Fortschritte bewahren.
- Zielsetzung und Planung: Bevor die Teamarbeit beginnen kann, muss zunächst das jeweilige Ziel klar definiert und kommuniziert werden. Auch dies fällt in den Verantwortungsbereich der Führungskraft.
- Umsetzung und Motivation: Führungspersonen sollten während der gesamten Umsetzung eines Projekts beratend zur Seite stehen und in der Lage sein, Mitarbeiter:innen auch in Problemsituationen zu motivieren.
- Probleme und Konflikte: Konflikte vorzubeugen, frühzeitig zu erkennen und schnell zu lösen zählt ebenfalls zu den Aufgaben der Teamleitung. Es gilt, eine kollegiale Arbeitsatmosphäre zu schaffen und produktive Zusammenarbeit zu ermöglichen.
- Kontrolle und Verbesserung: Bevor ein Projekt abgeschlossen werden kann, ist die Teamführung für die abschließende Kontrolle sowie eventuelle Verbesserungen verantwortlich.
Teamentwicklung: Die Zusammenstellung eines erfolgreichen Teams
Eine der wichtigsten Aufgaben der Teamleitung und ein entscheidender Faktor für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist jedoch die Teamentwicklung. Darunter versteht man alle Maßnahmen, die getroffen werden, um eine effektive Teamarbeit zu ermöglichen.
Dazu zählen explizit auch Aspekte der Mitarbeiter:innenführung, d.h. Voraussetzungen, die Führungskräfte schaffen müssen, um die Entwicklung vom losen Gruppenverband hin zum funktionalen Team überhaupt möglich zu machen.
Bei der Teambildung geht dabei nicht nur um die Frage, wer mit wem zusammenarbeiten soll. Damit ein Team die gesetzten Ziele erreichen und Projekte erfolgreich abschließen kann, müssen sich die einzelnen Teammitglieder aufeinander verlassen können – und zueinander passen.
Welche Rolle spielt der Team Fit?
Bei der Integration eines neuen Teammitgliedes gilt es, den „Personal Team Fit“ der einzelnen Mitglieder zu beachten. Das bedeutet, Personalverantwortliche sollten mögliche Kandidaten mit der Kultur des Teams vergleichen, in dem sie eingesetzt werden sollen.
Der Team Fit gibt Auskunft darüber, welche Rolle einer Person in einem Team einnimmt, wie gut sie in die bestehende Gruppe passt und inwiefern ihre Fähigkeiten die fehlenden Kompetenzen in einem Team ergänzen. Der Team Fit kann demnach potentiell entscheidend für den Erfolg einer Teamarbeit sein.
Teamrollen: Das Rollenmodell von Belbin
Damit, welche Rollen Mitglieder eines Teams übernehmen können, beschäftigte sich unter anderem der Engländer Meredith Belbin. Dieser untersuchte die Auswirkung der Zusammensetzung eines Teams aus verschiedenen Persönlichkeitstypen auf die Teamleistung.
Nach Belbin arbeitet ein Team dann besonders effektiv, wenn es aus einer Vielzahl heterogener Persönlichkeits- und Rollentypen zusammengesetzt ist. Im Rahmen seiner Untersuchung definierte Belbin neun verschiedene Teamrollen, die sich aus den Verhaltensmustern der Teammitglieder ergeben. Diese gliederte er wiederrum in drei Hauptorientierungen:
Handlungsorientierte Rollen
- Macher: Fordert das Team heraus und motiviert es, sich zu verbessern.
- Umsetzer: Sorgt für die Umsetzung von Ideen und Plänen.
- Perfektionist: Sorgt für das Einhalten von Terminen und gewissenhaftes Arbeiten.
Kommunikationsorientierte Rollen
- Koordinator: Achtet auf das Erreichen von Zielen, koordiniert das Team, agiert als Entscheider.
- Teamarbeiter: Sorgt für gute Zusammenarbeit.
- Wegbereiter: Findet Chancen und hilfreiche Kontakte.
Wissensorientierte Rollen
- Erfinder: Bietet neue Ideen und Lösungsansätze an.
- Beobachter: Kontrolliert Optionen auf Umsetzbarkeit.
- Spezialist: Stellt Fachwissen zur Verfügung.
Teamphasen – die vier Phasen der Teambildung
Bevor ein Team voll leistungsfähig ist, durchläuft es den Prozess der Teambildung. Teamleiter und Führungskräfte sollten diese vier Teambildungsphasen kennen:
- Forming
- Storming
- Norming
- Performing
Phase 1: Forming – die Aufwärm- und Orientierungsphase
In der Forming-Phase lernen sich die Teammitglieder langsam kennen und versuchen herauszufinden:
- Welche Fähigkeiten haben die neuen Kollegen?
- Welche Interessen verfolgen sie?
- Ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich?
- Das Team empfindet sich in dieser Phase noch nicht als Einheit.
Führungsaufgabe in dieser Teamphase:
Während des Formungsprozesses sollte die Teamleitung die nötige Struktur bieten und das Team bei der Definition von Regeln und Zielen unterstützen.
Phase 2: Storming – die Konfliktphase
Die Storming-Phase kommt es häufig zu Auseinandersetzungen zwischen den Teammitgliedern. Hier werden mehr oder weniger Rangkämpfe ausgefochten, um folgende Fragen zu klären:
- Wer hat welche Aufgabe?
- Wer spielt welche Rolle im Team?
- Werden unterschiedliche Interessen berücksichtigt? Wie stark?
Führungsaufgabe in dieser Teamphase:
Die Storming-Phase ist die wichtigste Phase der Teambildung; Ziel ist, einen gemeinsamen Grundkonsens zu finden und den Team Fit zu etablieren. Führungskräfte müssen ihr Team dabei bestmöglich unterstützen, indem sie Konflikte geschickt navigieren und als Mediatoren dienen.
Phase 3: Norming – die Organisierungsphase
In die Norming-Phase entwickeln Teammitglieder Spielregeln für den Umgang miteinander und vereinbaren erste Maximen, an die sich alle beim Bearbeiten der Aufgabe halten.
Führungsaufgabe in dieser Teamphase:
In dieser Phase kann die Gruppe Konflikte auf der Sachebene souverän selbst lösen. Führungskräfte können nun mehr Verantwortung an das Team abgeben.
Phase 4: Performing – die Leistungsphase
War die Teambildung erfolgreich, beginnt nun die eigentliche Arbeits- und Leistungsphase. Die Teammitglieder arbeiten zusammen, sprechen Konflikte offen an und haben Strukturen und normen etabliert.
Führungsaufgaben in dieser Teamphase:
Das Team agiert nun selbstständig. In dieser Phase übernimmt die Teamleitung die bereits beschriebenen klassischen Führungsaufgaben.
Fazit
Eine sorgfältige Teamentwicklung bildet die Grundlage für eine erfolgreiche Teamführung. Dabei sollten sowohl der Team Fit als auch die verschiedenen Persönlichkeitstypen der einzelnen Mitglieder berücksichtigt werden.